Standklimatisierung: Warum ausgerechnet Elektroautos im Winter im Vorteil sind
Der Winter zeigt jedes Jahr aufs Neue, wie unangenehm Autofahren sein kann. Vereiste Scheiben, klamme Finger und ein eiskalter Innenraum gehören für viele zum Alltag. Genau deshalb verlassen sich immer mehr Menschen auf eine Standklimatisierung, indem sie ihr Fahrzeug per App oder Zeitfunktion vorheizen. Umso größer war die Überraschung, als einige Fahrer plötzlich feststellten, dass ihre Standklimatisierung aus der Ferne nicht mehr funktionierte – obwohl sie diese zuvor regelmäßig genutzt hatten.
Wie BILD berichtete, traf das Fahrer einer asiatischen Automarke. Der Grund dafür ist weniger ein technisches Problem, sondern ein Punkt, den viele Autofahrer bislang gar nicht auf dem Schirm hatten: die explizit deutsche, rechtliche Bewertung der Standklimatisierung bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.
Was Standklimatisierung eigentlich leistet
Standklimatisierung sorgt dafür, dass der Innenraum des Autos bereits vor der Fahrt aufgewärmt wird. Im Winter bedeutet das freie Scheiben, ein angenehmes Raumklima und ein entspannter Start ohne frierende Hände oder beschlagene Fenster. Für viele ist das längst ein fester Bestandteil des Alltags geworden. Doch nicht jedes Auto kann diese Funktion auf die gleiche Weise nutzen.
Der Knackpunkt
Im aktuell beschriebenen Fall ging es nicht um einen Defekt oder eine willkürliche Abschaltung, sondern um eine mögliche Gesetzesüberschreitung. Bei Fahrzeugen mit konventionellem Verbrennerantrieb funktioniert die Standklimatisierung nur dann, wenn der Motor auch läuft. Genau hier liegt das Problem.
Das „unnötige Laufenlassen“ des Motors im Stand gilt rechtlich als „vermeidbare Abgas- und Lärmbelästigung“ und ist so in Deutschland verboten. Auch oder gerade wenn das Fahrzeug dabei steht und niemand fährt, wird der Motorbetrieb rechtlich nicht anders bewertet. Vielen Fahrern ist das nicht bewusst, da die Funktion technisch vorhanden ist und zuvor problemlos genutzt werden konnte.
Um rechtliche Konflikte zu vermeiden, wurde der Fernzugriff auf die Standklimatisierung deshalb herstellerseitig eingeschränkt. Für die betroffenen Fahrer kam das – mitten im Winter – überraschend, und sorgte für Unverständnis.
Aufwärmen ohne Abgase
Elektroautos sind von dem Dilemma des „laufenden Motors“ nicht betroffen. Sie benötigen keinen laufenden Motor, um Wärme zu erzeugen. Der Innenraum wird elektrisch beheizt, ganz ohne Abgase oder Lärm.
Deshalb können Elektroautos problemlos vorgeheizt werden, auch wenn sie einfach nur auf dem Parkplatz stehen. Besonders sinnvoll ist das, wenn sie an einer Steckdose oder Wallbox angeschlossen sind. Dann wird das Auto warm, ohne dass Reichweite verloren geht.
Warum sich der Unterschied im Winter deutlich bemerkbar macht
Im Alltag zeigt sich der Vorteil nun schnell. Während Verbrenner-Fahrer oft erst während der Fahrt langsam Wärme bekommen oder auf das Eiskratzen angewiesen sind, steigen Fahrer von Elektroautos häufig direkt in ein warmes, fahrbereites Fahrzeug ein.
Gerade bei kurzen Strecken, wie dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen, ist das ein spürbarer Unterschied. Das Auto ist „sofort“ einsatzbereit, ohne dass der Fahrer in Haus oder Wohnung fürchten muss, dass das Ordnungsamt o.ä. das falsche Aufheizen bemerkt.
Wenn Komfort auf Recht und Alltag trifft
Der von BILD aufgegriffene Fall macht deutlich, dass moderne Autofahrer oft mehr erwarten, als der Gesetzgeber zulässt – ohne es zu wissen. Die Technik kann vieles, doch nicht alles darf auch genutzt werden. Besonders bei Verbrennern kollidieren Komfortwünsche schnell mit Umwelt- und Abgasvorschriften. Elektroautos sind hier ohne Zweifel im Vorteil, weil ihre Standklimatisierung unabhängig vom Motor funktioniert und rechtlich unproblematisch ist.
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