Was Autofahrer im Herbst falsch machen – und was Werkstätten später sehen

Der Herbst bringt für Autofahrer einige Veränderungen mit sich, die am Fahrzeug schnell übersehen werden. Sinkende Temperaturen, mehr Regen und kürzere Tage stellen andere Anforderungen als die warmen Sommermonate. Viele Probleme beginnen dabei nicht mit einem offensichtlichen Defekt, sondern mit kleinen Dingen, die im Alltag zunächst nebensächlich erscheinen. Was für Autofahrer zunächst nach einer Kleinigkeit aussieht, kann in der Werkstatt später allerdings eine ganz andere Dimension bekommen.

Zu lange mit dem Reifenwechsel warten

Solange die Temperaturen noch angenehm sind, sehen viele Autofahrer keinen Grund zur Eile und verschieben den Reifenwechsel. Aus Sicht einer Werkstatt ist das Thema allerdings etwas differenzierter. Entscheidend ist nicht ein bestimmtes Datum im Kalender, sondern die tatsächliche Witterung und der Zustand der Reifen.

Beim späteren Wechsel zeigt sich zudem häufig erst, wie stark die Reifen tatsächlich beansprucht wurden. Ungleichmäßiger Verschleiß, zu wenig Profil oder Beschädigungen werden dann sichtbar. Was für den Autofahrer lediglich ein aufgeschobener Termin war, kann in der Werkstatt plötzlich einen zusätzlichen Reifenbedarf bedeuten.

Scheibenwischer werden trotz Schlieren weiter benutzt

Wenn die Scheibenwischer nach dem Sommer erste Schlieren hinterlassen, werden sie trotzdem häufig weiter benutzt. Hitze, UV-Strahlung und Schmutz setzen den Wischergummis über die Sommermonate zu. Im Herbst wird aus dem kleinen Schönheitsfehler jedoch schnell ein Sichtproblem.

Regen, Dunkelheit und tief stehende Sonne treffen auf eine Frontscheibe, die nicht mehr sauber freigeräumt wird. In der Werkstatt sieht man dann nicht einfach nur „schlechte Wischer“, sondern ein Bauteil, dessen Verschleiß sich gerade unter schwierigen Bedingungen bemerkbar macht. Im ungünstigen Fall hat die Kombination aus Schmutz und verschlissenen Wischergummis auch die Scheibe stärker beansprucht.

Sommer-Scheibenwaschmittel bleibt im Behälter

Wer den Sommerreiniger einfach im Behälter lässt, bemerkt zunächst keinen Unterschied. Erst wenn die Temperaturen in Richtung Gefrierpunkt fallen, kann sich zeigen, dass der vorhandene Frostschutz nicht ausreicht.

Gefrorene Leitungen, Düsen oder ein eingefrorener Behälter sind genau dann problematisch, wenn die Scheiben bei Schneematsch und Straßenschmutz besonders häufig gereinigt werden müssen. Einfach Winterreiniger nachzufüllen, löst das Problem zudem nicht zwangsläufig, da die verbleibende Mischung die tatsächliche Frostschutzwirkung beeinflusst.

Was im September noch wie eine Nebensache wirkt, kann damit wenige Wochen später zu einer nicht funktionierenden Scheibenwaschanlage führen – und genau das ist der Zustand, mit dem sich eine Werkstatt anschließend beschäftigen muss.

Feuchtigkeit im Innenraum wird als normal abgetan

Beschlagene Scheiben, feuchte Fußmatten oder nasse Kleidung gehören für viele Autofahrer zum Herbst und werden deshalb nicht weiter hinterfragt. Ein gewisses Maß an Feuchtigkeit ist normal. Bleibt sie allerdings dauerhaft im Fahrzeug, sollte man genauer hinsehen.

In der Werkstatt stellt sich dann nicht mehr die Frage, warum die Scheiben morgens beschlagen, sondern woher die Feuchtigkeit überhaupt kommt. Verstopfte Abläufe, nasse Teppiche oder Undichtigkeiten können mögliche Ursachen sein. Je länger die Feuchtigkeit im Fahrzeug bleibt, desto eher können außerdem unangenehme Gerüche und weitere Probleme entstehen.

Aus einem vermeintlich normalen Herbstphänomen wird damit unter Umständen eine Fehlersuche, bei der zunächst die Ursache der Feuchtigkeit gefunden werden muss.

Die Klimaanlage wird nach dem Sommer komplett vergessen

Nach dem Sommer verschwindet die Klimaanlage bei vielen Autofahrern aus dem Bewusstsein. Schließlich wird sie bei kühleren Temperaturen scheinbar nicht mehr benötigt. Dabei kann sie auch im Herbst nützlich sein, weil sie der Luft Feuchtigkeit entzieht und damit beim Beschlagen der Scheiben hilft.

Wird sie über längere Zeit überhaupt nicht beachtet, fällt ein Problem häufig erst wieder auf, wenn die Anlage im nächsten Sommer benötigt wird. Ein muffiger Geruch oder eine nicht mehr zufriedenstellende Funktion sind aus Werkstattsicht dann ein deutlich größeres Thema als die ursprüngliche Entscheidung, die Klimaanlage im Herbst einfach nicht mehr zu verwenden.

E-Auto-Fahrer unterschätzen den Einfluss sinkender Temperaturen

Bei Elektroautos kommt im Herbst noch ein weiterer Punkt hinzu. Sinkende Temperaturen können die Reichweite beeinflussen, während gleichzeitig Energie für die Innenraumheizung benötigt wird. Das bedeutet nicht automatisch, dass mit der Batterie etwas nicht stimmt.

In der Werkstatt muss zunächst zwischen einem normalen, temperaturbedingten Mehrverbrauch und einer tatsächlichen technischen Auffälligkeit unterschieden werden. Wer seine Reichweite im Herbst mit einzelnen Sommerfahrten vergleicht, kann deshalb schnell zu falschen Schlüssen kommen. Temperatur, Heizung, Fahrgeschwindigkeit, Strecke und Witterung spielen allesamt eine Rolle.

Aus Werkstattsicht ist die vermeintlich „plötzlich schlechte Batterie“ daher zunächst einmal ein Fall für eine genauere Betrachtung der Rahmenbedingungen – und nicht automatisch ein Hinweis auf einen Defekt.

Die Gemeinsamkeit all dieser Beispiele ist, dass Autofahrer zunächst meist nur eine Kleinigkeit wahrnehmen: einen verschobenen Reifenwechsel, ein paar Schlieren auf der Scheibe, altes Scheibenwaschmittel oder etwas Feuchtigkeit im Innenraum. In der Werkstatt erscheint dasselbe Problem später aus einer anderen Perspektive – nämlich als Verschleiß, Funktionsstörung oder als mögliche Ursache eines größeren Problems.

Gerade deshalb lohnt sich der kurze Herbstcheck. Nicht weil jedes kleine Versäumnis zwangsläufig einen teuren Werkstattbesuch nach sich zieht, sondern weil sich viele der typischen Herbstprobleme früh erkennen und mit vergleichsweise wenig Aufwand vermeiden lassen.

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